Die deutsche Gewürzbranche ist in Bewegung. Innerhalb weniger Wochen sorgten gleich zwei große Namen für Schlagzeilen. Just Spices schließt seinen Onlineshop und Ankerkraut kehrt unter die Führung seiner Gründer zurück. Auf den ersten Blick haben beide Nachrichten wenig miteinander zu tun. Bei genauerem Hinsehen erzählen sie aber von der gleichen Entwicklung. Der Verkauf von Gewürzen über das Internet verändert sich gerade grundlegend.
Das Wichtigste in Kürze
- Mehrere Gewürzmarken ziehen sich aus dem reinen Onlinehandel zurück.
- Steigende Kosten für Werbung, Versand und Retouren sind ein Hauptgrund.
- Der Verkauf über den Handel wird für viele Marken attraktiver.
- Andere Anbieter setzen weiter erfolgreich auf ihren eigenen Shop.
Vom Onlineliebling zur Marke im Supermarktregal
Viele junge Gewürzmarken sind als reine Onlinehändler gestartet. Sie verkauften direkt an ihre Community, bauten Reichweite über soziale Medien auf und verzichteten zunächst auf den klassischen Handel. Dieses Modell funktionierte lange sehr gut. Die Marken wirkten frisch, nahbar und modern und trafen damit den Geschmack einer jungen Zielgruppe.
Inzwischen stoßen viele dieser Marken jedoch an Grenzen. Was als cleveres Geschäftsmodell begann, ist über die Jahre teurer und schwieriger geworden. Der eigene Shop bleibt zwar ein wichtiges Aushängeschild, rechnet sich aber nicht mehr so leicht wie früher.
Warum der Direktverkauf teurer geworden ist
Werbung in sozialen Netzwerken kostet heute deutlich mehr als noch vor einigen Jahren. Wer neue Kunden gewinnen will, muss tiefer in die Tasche greifen. Gleichzeitig steigen die Ausgaben für Versand, Verpackung und Retouren. Jedes einzelne Päckchen verursacht Kosten, die bei einem günstigen Produkt schwer wieder hereinzuholen sind.
Genau hier liegt das Problem. Ein Gewürz kostet im Laden oft nur wenige Euro. Wenn Versand und Verpackung einen großen Teil dieses Preises auffressen, bleibt für die Marke kaum etwas übrig. Bei teuren Produkten lässt sich das leichter ausgleichen. Bei Gewürzen ist der Spielraum dagegen sehr klein.
Der Handel bietet Reichweite ohne eigenen Versand
Der Weg ins Supermarktregal löst gleich mehrere Probleme auf einmal. Die Marke erreicht sehr viele Menschen, ohne jede Bestellung selbst abwickeln zu müssen. Logistik und Verkauf übernimmt der Handel. Für viele Gewürzmarken ist das wirtschaftlich attraktiver als ein eigener Shop.
Der Nachteil liegt auf der Hand. Im Regal entscheidet der Handel über Platz und Sortiment. Die enge Verbindung zur Community, die über den eigenen Shop entsteht, geht teilweise verloren. Marken müssen also abwägen, was ihnen wichtiger ist. Reichweite und Wirtschaftlichkeit auf der einen Seite oder Nähe und Kontrolle auf der anderen.
Zwei aktuelle Beispiele aus der Praxis
Just Spices ist das deutlichste Beispiel für diesen Wandel. Die Marke beendet ihren eigenen Onlineshop und setzt künftig stärker auf den stationären Handel. Den Hintergrund und alle Details dazu haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengefasst.
Ankerkraut geht einen anderen Weg. Die Gründer haben ihre Marke von Nestlé zurückgekauft und setzen wieder auf Eigenständigkeit. Beide Geschichten zeigen, wie sehr der Markt in Bewegung ist. Mal steht die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund, mal die unternehmerische Freiheit.
Nicht jede Marke geht den gleichen Weg
Trotzdem gibt es viele Gegenbeispiele. Anbieter wie StaySpiced, der Bremer Gewürzhandel oder Ostmann setzen weiter stark auf den Verkauf über eigene Kanäle oder direkt über den Hersteller. Für sie ist der eigene Shop ein zentraler Bestandteil ihres Geschäfts. Gerade Hersteller mit großem Sortiment profitieren davon, ihre gesamte Vielfalt an einem Ort zu zeigen.
Es gibt also nicht den einen richtigen Weg, sondern viele Strategien nebeneinander. Manche Marken sind im Supermarkt am stärksten, andere im eigenen Shop. Wieder andere kombinieren beides und sind sowohl im Regal als auch online präsent.
Was diese Entwicklung für die Qualität bedeutet
Für die Qualität der Gewürze muss der Wandel kein Nachteil sein. Viele Hersteller, die direkt verkaufen, legen großen Wert auf frische Ware, transparente Herkunft und eine hochwertige Verpackung. Wer Wert auf eine breite Auswahl und besondere Sorten legt, ist bei diesen Anbietern oft gut aufgehoben.
Im Supermarkt zählt dagegen vor allem die Verfügbarkeit der bekanntesten Produkte. Spezialmischungen und ausgefallene Sorten findet man dort seltener. Wer also gezielt nach besonderen Gewürzen sucht, wird auch in Zukunft eher bei den Herstellershops fündig.
Was das für dich bedeutet
Für dich als Kundin oder Kunde heißt das vor allem mehr Auswahl an unterschiedlichen Einkaufswegen. Manche Marken findest du künftig vor allem im Supermarkt, andere bleiben online stark. Wer Wert auf eine große Sortimentsauswahl legt, ist bei den Herstellershops oft besser aufgehoben. Wer schnell und unkompliziert zugreifen will, greift im Regal um die Ecke zu.
Ein Vergleich lohnt sich in jedem Fall. In unseren Shop Tests schauen wir uns die wichtigsten Anbieter genau an und zeigen, wo es sich zu kaufen lohnt. So findest du den passenden Weg für deinen Geschmack und dein Budget, egal ob online oder im Laden.
Wie Marken die Nähe zur Community trotzdem halten
Auch wer den eigenen Shop zurückfährt, muss die Verbindung zur Community nicht aufgeben. Viele Marken setzen weiter auf soziale Medien, Rezepte und Inhalte rund ums Kochen. Über diese Kanäle bleibt der Kontakt bestehen, selbst wenn der Verkauf über den Handel läuft. Eine starke Marke lebt schließlich nicht nur vom Verkauf, sondern auch von der Geschichte und den Werten dahinter.
Inhalte wie Rezeptideen, Tipps zur richtigen Lagerung oder Hintergrundwissen zu einzelnen Gewürzen schaffen Vertrauen. Sie zeigen, dass eine Marke mehr ist als nur ein Produkt im Regal. Genau diese Inhalte sorgen dafür, dass Kundinnen und Kunden treu bleiben, egal wo sie am Ende einkaufen.
Was die Zukunft des Gewürzkaufs bringt
Wie es weitergeht, lässt sich noch nicht abschließend sagen. Sicher ist, dass der Markt vielfältiger wird. Neben großen Marken im Supermarkt wird es weiterhin spezialisierte Hersteller mit eigenem Shop geben. Beide Modelle haben ihre Berechtigung und sprechen unterschiedliche Bedürfnisse an.
Für dich bedeutet das vor allem eines. Du hast die Wahl. Wer schnell und günstig einkaufen möchte, greift im Supermarkt zu. Wer Wert auf eine große Auswahl, besondere Sorten und Versand direkt vom Hersteller legt, bleibt bei den Onlineshops der Hersteller. Der Wettbewerb zwischen beiden Wegen sorgt am Ende für bessere Angebote.
Unsere Gewürz Shop Tests ansehen
Unser Fazit
Der Gewürzmarkt steht an einem Wendepunkt. Der reine Direktverkauf über das Internet wird für viele Marken schwieriger, während der Handel an Bedeutung gewinnt. Gleichzeitig zeigen Beispiele wie Ankerkraut, dass auch der Weg zu mehr Unabhängigkeit möglich ist. Für Kundinnen und Kunden bleibt der Markt damit spannend und vielfältig. Wer aufmerksam vergleicht, findet weiterhin hochwertige Gewürze zu fairen Bedingungen.
Wir behalten den Markt für dich im Blick und berichten über neue Entwicklungen bei den wichtigsten Gewürzmarken. So weißt du immer, welche Anbieter ihren Kurs ändern und wo du deine Lieblingsgewürze am besten kaufst.
